Göhle-Blog

17.04.2020
Ich bin doch kein Hartzer!

Ja, ich weiß. Natürlich sind Sie das nicht. Sie kennen das von RTL II, natürlich nur bei Zappen mal kurz hängen geblieben. Menschen nicht am, sondern im Abgrund, Jogginghose, Fliesentisch, Kippen aus Polen, "Maloche lohnt ja nich" 

Aber jetzt, mit Corona, da merken Sie es auch. So (nahezu) ohne Auftrag oder eben wegen Kurzarbeit, obwohl Sie eigentlich ordentlich verdienen: die Miete ist verdammt hoch. Eventuell sind Sie privat krankenversichert, auch schön. Sie können nicht mehr zahlen oder müssen an die mühsam angesparten Reserven. Natürlich wissen Sie, Sie müssen ja nicht zahlen. Nicht jetzt. Später. Und wenn Sie später nicht bezahlen können, weil es danach nicht schnell genug los geht, Ihr Arbeitgeber in Insolvenz rutscht oder "praktischerweise" noch das Auto kaputt geht? Wieso sollen Sie eigentlich Schulden anhäufen, wenn es auch anders geht?

Lösen Sie sich von diesen Hartz-Klischees. Was Sie im Fernsehen präsentiert bekommen, ist Show. Solche Leute gibt es. Der große Teil der Leistungsbezieher ist aber ganz anders. Und außerdem ist es völlig egal wie andere aussehen, Sie sind momentan übel dran, wer hat in seinen Finanzen eine Pandemie eingeplant? Sie haben mit Ihren Steuern dafür gesorgt, diesen Sozialstaat am Leben zu halten, jetzt sind Sie mal dran. 

Das System bietet derzeit erleichterten Zugang, die Vermögenskontrolle entfällt nahezu vollständig. Und für vorübergehende Leistungen, also einige Monate, ist es auch völlig egal wie hoch die Miete ist. Die vorübergehenden gesetzlichen Regelungen zum SGB II erleichtern den Zugang. Die ausdrückliche Darstellung, dass "tatsächliche Aufwendungen" für die Wohnung oder das Haus übernommen werden müssen wäre nichts neues. In den ersten 6 Monaten muss auch für Ihre Luxusimmobilie bezahlt werden. (Versuchen Sie es mit Annuitäten, da wäre ich mit der derzeitigen Formulierung mal gespannt. Gesetz ist Gesetz)

Was Sie monatlich an Geld bekommen können

Einkommen wird auf die Leistung mit gewissen Freibeträgen angerechnet. 

Das läppert sich. Und wenn Sie nur 100 Euro bekommen, immer noch besser als nichts. Für alleinstehende, privat versicherte Selbständige im Veranstaltungsbereich (Umsatz derzeit 0 Euro monatlich) können das ganz schnell 2000 + x Euro im Monat werden. Und die Soforthilfen sind NICHT für den privaten Bereich. 

Stellen Sie den Antrag lieber sofort als später, die Leistungen werden monatsweise berechnet, der April neigt sich langsam dem Ende. Über Suchmaschinen finden Sie die zuständige Behörde "(mein Landkreis) Jobcenter". Die Anträge finden Sie über die Arbeitsagentur. Sie haben bis 30. April gewartet und der Stift schreibt nicht? Dann bitte vorab noch schnell per eMail oder Fax ein "ich stelle einen Antrag auf Grundsicherung", Formulare können Sie nachreichen. 

Für Vermieter: vielleicht ist es geschickt, den Mietern einen Zettel in den Briefkasten zu werfen. Die Miete wird weiter bezahlt, es spielen sich keine Dramen ab. Nur mal so.